Analogforschung

Den Weg für künftige bemannte Missionen zum Mond und Mars ebnen

Das Vienna Statement on Analog Planetary Research (VSAPR)

Analogforschung ist die Entwicklung von Ausrüstung, Methoden und Strategien für die zukünftige menschliche und robotische Erkundung von Himmelskörpern. Sie testet naturwissenschaftliche, ingenieurswissenschaftliche und operationale Bereiche sowie menschliche Faktoren in repräsentativen Simulationen, um wissenschaftliche Erkenntnisse zu maximieren, die Sicherheit von Operationen zu optimieren und Technologietransfer zu fördern.

Analogforschung gibt es schon seit Beginn des Raumfahrtzeitalters. In den frühen Jahren wurde es von der NASA eingesetzt, um Astronauten auf die Apollo-Missionen vorzubereiten (1) oder die Konditionen von Skylab, der ersten amerikanischen Raumstation, zu verifizieren. (2) Seitdem haben sich Analogforschungsaktivitäten immens verbreitet und werden nun sowohl von Weltraumagenturen (wie z.B. NASA oder ESA) als auch von Nicht-Regierungsorganisationen (wie z.B. Forschungsinstituten, der Industrie oder Citizen-Science-Organisationen) durchgeführt. Über die Jahre hinweg hat sich die Analogforschung zu einer wissenschaftlichen Disziplin entwickelt, die eine Schlüsselrolle bei künftigen Missionen über den Erdorbit hinaus spielt.

Beispiel verschiedener Analogmissionen. Oben links: NASA Extreme Environment Mission Operations (NEEMO) Crew 16, inklusive ESA Astronaut Tim Peake (Credit: NASA); Oben rechts: Hawai'i Space Exploration Analog and Simulation (HI-SEAS) Habitat, welches gemeinsam von der NASA und der University of Hawai'i at Manoa betrieben wird (Credit: HI-SEAS); Unten links: Crew des chinesischen Lunar Palace 1 (Credit: english.people.cn); Unten rechts: Crew von Mars 500, einem Gemeinschaftsprojekt der ESA und des Russian Institute for Biomedical Problems (Credit: ESA)

Beispiel verschiedener Analogmissionen. Oben links: NASA Extreme Environment Mission Operations (NEEMO) Crew 16, inklusive ESA Astronaut Tim Peake (Credit: NASA); Oben rechts: Hawai’i Space Exploration Analog and Simulation (HI-SEAS) Habitat, welches gemeinsam von der NASA und der University of Hawai’i at Manoa betrieben wird (Credit: HI-SEAS); Unten links: Crew des chinesischen Lunar Palace 1 (Credit: english.people.cn); Unten rechts: Crew von Mars 500, einem Gemeinschaftsprojekt der ESA und des Russian Institute for Biomedical Problems (Credit: ESA)

Gleichzeitig gibt es ein erneutes Interesse bei Weltraumagenturen auf der ganzen Welt, die bemannte Raumfahrt wieder über den Erdorbit hinaus zu tragen. Die NASA hat sich auf ihre „Reise zum Mars“ gemacht. (3) Die ESA hat damit begonnen, für die Idee eines „Monddorfs“ zu werben. (4) China plant eine bemannte Mondmission noch vor dem Jahr 2036, wie Offizielle nun zum ersten Mal bekannt gegeben haben. (5) Und Russland will 2029 bemannte Missionen von ihrem neuen Kosmodrom Wostotschny zum Mond schicken. (6) Diese Pläne sind kühn und könnten aufgrund von Haushaltsengpässen oder veränderten Prioritäten der Politik verspätet oder gestrichen werden. Aber sie zeigen dennoch, dass sich die wichtigsten Weltraumagenturen der Welt auf die Zeit nach der Internationalen Raumstation vorbereiten und dass ihr Fokus dabei auf einer Rückkehr von Menschen zum Mond oder zum Mars liegt.

Aus diesen Gründen hat das Österreichische Weltraum Forum (ÖWF) als Verwaltungsorganisation zusammen mit zahlreichen internationalen Forschern aus der ganzen Welt den aktuellen Stand der Analogforschung beschrieben, ihre Vorteile artikuliert und ihre Ziele benannt und kommunizieren dies nun gegenüber der Wissenschaft, der Politik und der Gesellschaft. Nach sorgfältiger Diskussion haben wir deshalb das Vienna Statement on Analog Planetary Research (VSAPR) erstellt.

Das VSAPR ist eine einseitige Erklärung mit drei Teilen:

1

Eine Präambel, die den Kontext darstellt, in dem aktuelle Analogforschungsaktivitäten durchgeführt werden
2

Eine Charakterisierung des Forschungsfeldes, in der dessen Vorteile für die Weltraumforschung, Technologieentwicklung und die Gesellschaft insgesamt hervorgehoben werden
3

Eine Reihe von Zielen, die die Analogforschung in der Zukunft stärken sollen

Die folgenden Personen haben das VSAPR bis jetzt unterzeichnet:

  • Kim Binsted, HI-SEAS Forschungsteam, University of Hawaii at Manoa, Vereinigte Staaten
  • Pablo De Leon, Department of Space Studies, University of North Dakota, Vereinigte Staaten
  • Jean Pierre Paul De Vera, DLR Institut für Planetenforschung, Deutschland
  • Stefano Debei, University of Padova, Centre for Studies and Activities for Space (CISAS) “G. Colombo”, Italien
  • Ludovic Ferriere, Naturhistorisches Museum Wien, Österreich
  • Kai Gehreth, Mars Society Deutschland, Deutschland
  • Cayetano Santana Gil, Mars Society Spanien, Spanien
  • Felipe Gómez, Astrobiology Center (CAB), National Institute for Aerospace Technology (INTA), Spanien
  • Gernot Grömer, Österreichisches Weltraum Forum, Österreich
  • Akos Kereszturi, Hungarian Academy of Sciences, Astrophysical and Geochemical Laboratory, Ungarn
  • Ryan L. Kobrick, Embry-Riddle Aeronautical University, Vereinigte Staaten
  • Jesús Martínez-Frías, Spanish Planetology and Astrobiology Network, Spanien
  • Mihail Mateev, Mars Society Bulgarien, Bulgarien
  • Michaela Musilová, Slovak Organisation for Space Activities, Slowakei
  • Haritina Mogosanu, KiwiSpace Foundation, Neuseeland
  • Gordon Osinski, Centre for Planetary Science and Exploration, Kanada
  • Tibor Pacher, Puli Space Technologies, Ungarn
  • Ewan Reid, Mission Control Space Services Inc., Kanada
  • Jean-Marc Salotti, Bordeaux Institut National Polytechnique, Frankreich
  • Brian Shiro, HI-SEAS Forschungsteam, University of Hawaii at Manoa, Vereinigte Staaten
  • James Skinner, US Geological Survey, Vereinigte Staaten
  • Ulrich Walter, Technische Universität München, Deutschland
  • Peter Weiss, COMEX, Frankreich
Was kann ich beisteuern?

Etablierte Forscher mit nachweisbarem Erfahrungsschatz im Bereich der Analogforschung:

  • Denkt darüber nach, Unterzeichner des VSAPR zu werden.

Studierende oder Berufstätige, deren Arbeit mit Analogforschung verbunden ist:

  • Teilt das VSAPR über eure Kommunikationskanäle, vor allem studentische/berufliche Netzwerke.
  • Nehmt Bezug auf das VSAPR in Publikationen, Forschungsanträgen und beruflicher Kommunikation.

Politiker und Mitarbeiter von Förderagenturen:

  • Nehmt den wachsenden Konsens über den Wert der Analogforschung für die bemannte Raumfahrt bei künftigen Diskussionen über Förderprioritäten in Betracht.

Sonstige Interessierte:

  • Teilt das VSAPR mit Bekannten, die sich für Raumfahrt interessieren.
  • Folgt den weltweiten Analogforschungsaktivitäten und lernt mehr über dieses spannende Forschungsfeld.
Kontaktpersonen:

Monika Fischer
Pressekontakt
+43 (0)699 1213 4610
monika.fischer@oewf.org
Maximilian Betmann
VSAPR Koordinator
+49 (0)160 9030 6445
maximilian.betmann@oewf.org
Quellen:
1) Mahoney, E. (2009): Past and Present: Field Testing For the Moon. July 2009. Online at: http://www.nasa.gov/exploration/analogs/then-and-now.html (last accessed: 09.05.2016)
2) Johnson, R.S. (1973): Skylab Medical Experiments Altitude Test (SMEAT). NASA Technical Report. October 1973.
3) NASA (2015): NASA releases plan outlining next steps in the journey to Mars. October 2015. Online at: http://www.nasa.gov/press-release/nasa-releases-plan-outlining-next-steps-in-the-journey-to-mars (last accessed: 09.05.2016)
4) ESA (2016): Moon village: humans and robots together on the Moon. March 2016. Online at: http://www.esa.int/About_Us/DG_s_news_and_views/Moon_Village_humans_and_robots_together_on_the_Moon (last accessed: 09.05.2016)
5) Martina, M. (2016): China aims for manned moon landing by 2036. Reuters. April 2016. Online at: http://www.reuters.com/article/us-china-space-moon-idUSKCN0XQ0JT (last accessed: 09.05.2016)
6) Russia Today (2015): Men on the Moon: Russia hopes to launch manned lunar mission in 2029. October 2015. Online at: https://www.rt.com/news/319840-russia-space-moon-landing/ (last accessed: 09.05.2016)

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