BACTeRMA

Saubere Lösung für Weltraum-Unterwäsche

ESA sucht saubere Lösung für Weltraum-Unterwäsche

Im Rahmen des neuen ESA-Projektes „BACTeRMA“ erforscht das Österreichische Weltraum Forum (ÖWF) als Hauptauftragnehmer innovative Methoden, um Raumanzug-Unterwäsche in Zukunft noch hygienischer und somit mehrfach wiederverwendbar zu machen. Gemeinsam mit dem Projektpartner Vienna Textile Lab (VTL) werden Produkte von Mikroorganismen identifiziert und getestet, die in Zukunft AstronautInnen-Unterwäsche „imprägnieren“ und damit für den Wiedergebrauch hygienisch und sauber halten sollen. Das zweijährige Projekt soll außerdem Lösungen finden, um in der Raumfahrt verwendete Textilien widerstandsfähiger gegen Staub und Strahlung zu machen.

Ein sogenannter „space walk“ (=Weltraumspaziergang) gehört zu den Höhepunkten in der Karriere aller AstronautInnen. Aber es gibt eine Schattenseite: Wenn man einen Raumanzug trägt, muss man auch zuvor von anderen AstronautInnen benutzte Unterschichten anziehen. Im Auftrag der ESA untersucht das ÖWF gemeinsam mit dem VTL mit der Studie „BACTeRMA“, wie diese Teile am besten sauber und hygienisch gehalten werden können, wenn sich Menschen in Zukunft auf den Weg zum Mond und vielleicht sogar zum Mars machen werden.

Während der Space Shuttle-Ära wurde jede/r AstronautIn mit einer eigenen „externen Mobilitätseinheit“, also einem Raumanzug, ausgestattet. Die Crews auf der Internationalen Raumstation sind jedoch dazu übergegangen, sich die Anzüge zu teilen, wobei unterschiedlich große Segmente zusammengesetzt werden, die dann dem/der jeweiligen RaumfahrerIn passen.

3D Illustration von Bakterien (c) Unsplash
3D Illustration von Bakterien (c) Unsplash

Wiederverwendung statt Einweg-Unterwäsche

Eine der Kleidungsschichten, die die AstronautInnen unter dem Raumanzug tragen, ist eine „Kühlungsunterwäsche“. Diese wird während einer Mission von verschiedenen RaumfahrerInnen zusammen mit den Raumanzügen wiederverwendet. Zu erwarten ist, dass diese Wiederverwendung häufiger erfolgen wird, sobald AstronautInnen an Bord des „Gateway“ arbeiten werden. Diese neue internationale Raumstation soll noch in diesem Jahrzehnt in der Mondumlaufbahn entstehen.

Microscopic view of textiles (c) ZEISS Microscopy
Textilien unter dem Mikroskop (c) ZEISS Microscopy

Mit Blick auf eine solche langfristige gemeinsame Nutzung hat die ESA ein neues Projekt namens „Biocidal Advanced Coating Technology for Reducing Microbial Activity“ (=Biozide fortschrittliche Beschichtungstechnologie zur Reduzierung der mikrobiellen Aktivität), kurz BACTeRMA, gestartet.

Dazu Dr. Gernot Grömer, Direktor des Österreichischen Weltraum Forums: „Es freut mich, dass wir ein weiteres zukunftsweisendes Projekt im Auftrag der ESA gemeinsam mit unserem Partner, dem Vienna Textile Lab, umsetzen dürfen. Es zeigt, welch wichtigen Beitrag auch kleinere, private Forschungsinstitutionen leisten, die heimische Weltraumwissenschaft und -wirtschaft international konkurrenzfähig zu machen und damit auch Österreich als Forschungsstandort aufzuwerten und interessant zu machen.“

„Textilien in der Raumfahrt, insbesondere wenn sie biologisch kontaminiert sind – wie zum Beispiel die Unterwäsche von Raumanzügen – können bei Langzeitflügen sowohl technische als auch medizinische Risiken darstellen“, erklärt ESA-Materialingenieurin Malgorzata Holynska und führt aus, „Wir untersuchen bereits potentielle Materialien für die Außenschichten von Raumanzügen, sodass BACTeRMA als frühes Technologieentwicklungs-Projekt eine nützliche Ergänzung ist. Untersucht werden kleine bakterientötende Moleküle, die für alle Arten von Raumfahrttextilien, einschließlich der Innenseite von Raumanzügen, nützlich sein könnten.“

Dazu Dr. Seda Özdemir-Fritz, BACTeRMA-Projektwissenschaftlerin beim Österreichischen Weltraum Forum: „Die Standardmethode zur Verhinderung einer biologischen Kontamination ist die Verwendung von antimikrobiellen Materialien wie Silber oder Kupfer, deren Ionen in Gegenwart von Sauerstoff oder Wasser die normale Funktion der mikrobiellen Physiologie stören. Das Problem ist, dass ihre langfristige Verwendung Hautreizungen hervorrufen kann, daher sind wir auf der Suche nach einer besseren Lösung.“

Das Projekt wird weitere innovative Textilausrüstungen mit antimikrobiellen Eigenschaften entwickeln und testen. Das Österreichische Weltraum Forum wird gemeinsam mit dem Vienna Textile Lab verarbeitete Textilien auf ihre antimikrobiellen Eigenschaften testen und sie Schweiß und Strahlung aussetzen. Dazu kommt simulierter Mondstaub, denn es ist zu erwarten, dass die Arbeitsumgebung der AstronautInnen nach wiederholten Ausflügen auf die Mond- oder Marsoberfläche staubig werden könnte.

Die Idee für das zweijährige BACTeRMA-Projekt wurde vom ÖWF in Zusammenarbeit mit dem Vienna Textile Lab (VTL) als Subunternehmen über die Open Space Innovation Plattform der ESA vorgeschlagen, die nach vielversprechenden Ideen für die Weltraumforschung aus jeglichen Bereichen sucht.

Weiterführende Informationen:

Alekhova, T. A., Aleksandrova, A. A., Novozhilova, T.Y., Lysak, L. V., Zagustina, N. A. and Bezborodov, A. M. (2004) ‘Monitoring of Microbial Degraders in Manned Space Stations’.
Rhodes, R., Orndoff, E., Korona, F., Adam, Proitz, D., Smith, M. and Wong, W., eds. (2011) Biocontamination Control for Space Suit Garments: A Preliminary Study

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