2026
Sechs Analog-Astronaut*innen aus fünf Ländern werden vom 5. bis 18. April 2027 das Leben und Forschen auf dem Mars erproben. 17 Experimente entwickelt von 20 internationalen Forschungseinrichtungen, ein 50 Kilogramm schwerer Raumanzug-Simulator und ein Missionskontrollzentrum in Wien schaffen realitätsnahe Bedingungen für die Erforschung des Roten Planeten. Die Fachhochschule Oberösterreich ist zum zweiten Mal bei einer Mission des ÖWF dabei, diesmal mit einem vierbeinigen Roboter, der selbständig ein dreidimensionales Umgebungsmodells für die Analog-Astronaut*innen erstellen wird. Gebrüder Weiss unterstützt die Mission zum dritten Mal als Logistikpartner.

von links, vorne: Analog-Astronaut*innen Renana Bruckstein, Ludovica Valentini, Nathan Pili, Olivia Drayson
(c) Gebrüder Weiss
Wie werden Menschen eines Tages auf dem Mars leben und forschen können? Mit der Mars-Analogmission AMADEE-27 bereitet das Österreichische Weltraum Forum (ÖWF) die nächste Etappe seiner internationalen Forschungsarbeit vor. Von 5. bis 18. April 2027 wird eine sechsköpfige Crew in der Monsaraz Analog Research Station in Portugal Technologien, wissenschaftliche Methoden und Arbeitsabläufe unter marsähnlichen Bedingungen erproben. Insgesamt 17 Experimente internationaler Forschungseinrichtungen und Universitäten aus Österreich, Europa und den USA stehen auf dem Programm. AMADEE-27 ist die 16. Mars-Analogmission des ÖWF und ein wichtiger Vorbereitungsschritt für eine größere Mission im Jahr 2028.
Forschung unter marsähnlichen Bedingungen
Bei einer Mars-Analogmission werden ausgewählte Herausforderungen einer bemannten Marsmission auf der Erde simuliert. Die Analog-Astronaut*innen leben und arbeiten in einem speziell eingerichteten Habitat und führen außerhalb ihres Wohnraums wissenschaftliche Untersuchungen und technische Tests durch. Dabei erproben sie unter anderem Technologien, medizinische Aspekte und Roboter, die bei zukünftigen Marsmissionen zum Einsatz kommen könnten.
Eine zentrale Rolle spielt dabei der Raumanzug-Simulator des ÖWF. Bei Einsätzen außerhalb des Habitats tragen die Analog-Astronaut*innen einen rund 50 Kilogramm schweren Simulator, der wesentliche Einschränkungen eines echten Druckanzugs nachbildet. Dazu gehören die erschwerte Beweglichkeit der Gelenke, ein durch den Helm eingeschränktes Gesichtsfeld und die ausschließliche Kommunikation per Funk. Die Crew muss ihre Aufgaben unter diesen erschwerten Bedingungen bewältigen und dabei wissenschaftliche Genauigkeit, Sicherheit und effiziente Teamarbeit miteinander verbinden.

(c) ÖWF/vog.photo
Dr. Gernot Grömer, Direktor des Österreichischen Weltraum Forums, betont die Bedeutung der Mission:
„Wir freuen uns sehr, mit AMADEE-27 unsere Zusammenarbeit mit Gebrüder Weiss und der FH Oberösterreich fortzusetzen und die internationale Mars-Analogforschung weiter voranzutreiben. Jede Mission liefert wichtige Erkenntnisse darüber, wie Menschen, Technologien und wissenschaftliche Prozesse unter den anspruchsvollen Bedingungen einer Expedition zu einem anderen Planeten zusammenspielen. AMADEE-27 ist bereits unsere 16. Mars-Analogmission und zugleich ein wichtiger Schritt in der Vorbereitung unserer größeren Mission für 2028. Wir wollen Herausforderungen erkennen und Lösungen entwickeln, bevor sie bei einer tatsächlichen Marsmission kritisch werden.“
Sechs Analog-Astronaut*innen, ein gemeinsames Ziel
Die Crew von AMADEE-27 vereint Expert*innen aus fünf Ländern und unterschiedlichen Fachgebieten. Die sechs Analog-Astronaut*innen kommen aus Portugal, dem Vereinigten Königreich, Deutschland, Italien und Schweden. Sie bringen Qualifikationen und Erfahrungen Raumfahrt, Physik, Biologie und Medizin, mit und bilden damit ein interdisziplinäres Team für die anspruchsvollen Aufgaben der Mission.
João Lousada– Portugal | Crew Commander
Joao Lousada ist Missionsmanager der Europäischen Weltraumagentur ESA und leitet die PLATO Mission, die 2027 ein Weltraumteleskop zur Suche nach erdähnlichen Planeten starten wird. Als Crew Commander übernimmt Lousada die Leitung des internationalen Teams. Er koordiniert die Aufgaben der Crew während der Mission und stellt gemeinsam mit den Teammitgliedern sicher, dass die geplanten Experimente und operativen Abläufe umgesetzt werden.
Joao Lousada über AMADEE-27:
„Es ist etwas ganz Besonderes, diese Mission im eigenen Land zu leiten – und es ist zugleich ein Zeichen dafür, welche Fortschritte Portugal in der Analogforschung und der astronautischen Weltraumforschung bereits erzielt hat. Portugiesische Institutionen sind nun Gastgeber und Unterstützer der Mission und auch mit Experimenten beteiligt. Ich freue mich, dass Portugal im Bereich der astronautischen Weltraumforschung gezielt Fachwissen und Erfahrung aufbaut, um hier eine aktivere Rolle zu übernehmen.“
Adam Crellin – Vereinigtes Königreich
Adam Crellin ist bereits länger Teil des Analog-Astronaut*innen-Corps des ÖWF. Er hat Medizin und Chirurgie studiert und befasst sich mit Anästhesie und Notfallmedizin in abgelegenen Gegenden.
Renana Bruckstein – Deutschland
Renana Bruckstein verbindet medizinische Expertise mit Erfahrungen im Hochleistungssport. Ihr Interesse gilt insbesondere den Herausforderungen, die extreme Umgebungen an den menschlichen Körper und dessen Anpassungsfähigkeit stellen.
Ludovica Valentini – Italien/Schweden
Ludovica Valentini ist Raumfahrtingenieurin und bringt berufliche Erfahrung aus der Entwicklung und Integration von Raumfahrtsystemen mit. Ihre technische Perspektive ergänzt die interdisziplinäre Ausrichtung der Mission.
Nathan Pili – Vereinigtes Königreich/Italien
Nathan Pili verbindet physikalische und ingenieurwissenschaftliche Fragestellungen mit einem besonderen Interesse an technischen Anwendungen und innovativen Lösungsansätzen.
Olivia Drayson – Vereinigtes Königreich
Olivia Drayson bringt wissenschaftliche Erfahrung aus der Physik, der Luft- und Raumfahrttechnik sowie der Forschung zu biologischen Auswirkungen ionisierender Strahlung mit. Sie war bereits an einer analogen Weltraummission in Nordkanada beteiligt und kennt damit die besonderen Anforderungen internationaler Analogforschungsprojekte.
Für Renana Bruckstein, die erstmals an einer ÖWF-Mars-Analogmission teilnimmt, steht besonders die Verbindung von Forschung und internationaler Zusammenarbeit im Mittelpunkt:
„Ich freue mich darauf, Teil dieser internationalen Crew zu sein und meine bisherigen Erfahrungen in eine Mission einzubringen, bei der wissenschaftliche Fragestellungen und die Arbeit im Team eng miteinander verbunden sind. Eine Marsmission stellt nicht nur hohe Anforderungen an die Technik, sondern auch an die Menschen, die sie durchführen. Mich interessiert besonders, wie wir unter außergewöhnlichen Bedingungen sicher und effizient arbeiten können. Gleichzeitig ist es eine großartige Gelegenheit, mit Menschen aus unterschiedlichen Ländern und Fachgebieten zusammenzuarbeiten und gemeinsam an einem Ziel zu arbeiten, das weit über unsere eigene Mission hinausgeht.“
Die Erde in Wien, der Mars in Portugal
Damit die Mission möglichst realitätsnah abläuft, wird die Analog-Astronaut*innen-Crew in Portugal von einem Missionskontrollzentrum in Wien unterstützt. Dort arbeiten Expert*innen aus Technik, Raumfahrt, Medizin, Robotik und Meteorologie zusammen. Sie erstellen detaillierte Ablaufpläne für die einzelnen Missionstage, unterstützen die Durchführung der Experimente, überwachen die Gesundheit der Crew und leiten die gewonnenen Daten an die Forscherteams in aller Welt weiter.
Eine besondere Herausforderung ist die künstliche Verzögerung der Kommunikation zwischen dem Missionskontrollzentrum und der Crew. Die Nachrichten zwischen der „Erde“ in Wien und dem „Mars“ in Portugal werden um zehn Minuten verzögert. Damit wird die durchschnittliche Signallaufzeit zwischen Erde und Mars simuliert. Die Crew muss Aufgaben dadurch zunehmend eigenständig bewältigen und Entscheidungen treffen, ohne unmittelbar auf Rückmeldungen aus der Missionskontrolle warten zu können.
Die 17 ausgewählten Experimente wurden von mehr als 20 internationalen Forschungseinrichtungen und Universitäten aus Österreich, weiteren europäischen Ländern und den USA entwickelt. Sie untersuchen unterschiedliche Aspekte zukünftiger Marsmissionen und zeigen, wie interdisziplinäre Zusammenarbeit zur Weiterentwicklung der bemannten Raumfahrt beiträgt.
Expert*innen der FH Oberösterreich untersuchen die Umgebung mit autonomem Roboter
FH-Ass.Prof. Dr. Raimund Edlinger und sein Team vom Campus Wels der FH Oberösterreich bringen ihre Erfahrungen aus der Entwicklung autonomer Robotersysteme ein. „Wir integrieren einen Raman-Spektrometer und ein Ground Penetrating Radar (GPR) auf einem vierbeinigen Roboter. Durch die Kombination dieser Sensoren mit den integrierten LiDAR-Systemen erstellen wir ein umfassendes dreidimensionales Umgebungsmodell, das die Geländeoberfläche wie auch unterirdische Strukturen erfasst“ erklärt Edlinger die Agenda der Welser Mars-Mission.
Der Roboter soll die Analog-Astronaut*innen bei Außenmissionen unterstützen, etwa durch die Erkundung des Geländes, die Identifikation geologischer Strukturen und die Analyse potenziell interessanter Proben. „Für mich und mein Team bietet dieses Training eine spannende Möglichkeit, unsere Expertise aus der Rettungsrobotik in den Weltraumbereich einzubringen“ freut sich der Robotik-Experte über den extraterrestrischen Schritt und hofft, durch AMADEE 27 auch Perspektiven für zukünftige Forschungskooperationen und Weltraumanwendungen zu erschließen.“
„Die FH Oberösterreich ist in Region tief verwurzelt aber zugleich international erfolgreich. Das zeigen auch unsere Studierenden und Forschenden immer wieder: Das Team DYNAMICS gewann 2025 sowohl die RoboCup Rescue League als auch den Eurobot und verteidigte 2026 den RoboCup-Weltmeistertitel. Diese Erfolge stehen für die Verbindung von exzellenter angewandter Lehre und Forschung, engagierten Teams und internationaler Zusammenarbeit. Genau diese Stärken wollen wir mit unserer Strategie FH OÖ 2040 weiter ausbauen und international noch sichtbarer machen. Als künftige UAP – University of Applied Sciences Upper Austria ist die Teilnahme an AMADEE 27 daher ein konsequenter nächster Schritt: Wir bringen unsere Kompetenz in autonomer Robotik in ein internationales Forschungsumfeld ein und erweitern unseren Wirkungskreis bis in den Kosmos, wenn auch zunächst nur virtuell“, sagt Hochschulpräsident FH-Prof. DI Dr. Michael Rabl.
Gebrüder Weiss unterstützt die Mission als Logistikpartner
Eine Mars-Analogmission erfordert umfangreiche logistische Planung, zuverlässige Abläufe und die präzise Koordination zahlreicher Beteiligter. Mit seiner Unterstützung trägt Gebrüder Weiss dazu bei, die wissenschaftliche Arbeit des ÖWF und die Vorbereitung zukünftiger astronautischer Expeditionen zu ermöglichen.
Als international tätiges Logistikunternehmen verfügt Gebrüder Weiss über langjährige Erfahrung in der Organisation komplexer Transport- und Lieferketten. Diese Kompetenz und das Engagement für innovative Projekte machen die Partnerschaft zu einer wertvollen Unterstützung für die Mission.
„Eine Mars-Analog-Mission funktioniert nur, wenn auch die Logistik stimmt. Deshalb freuen wir uns, unsere Erfahrung auch bei AMADEE-27 einzubringen und das Österreichische Weltraum Forum bereits zum dritten Mal als offizieller Logistikpartner zu begleiten. Unser Team in Wels sorgt dafür, dass die sensible Forschungsausrüstung sicher und termingerecht von Österreich nach Portugal gelangt“, sagt Klaus Bannwarth, Niederlassungsleiter Gebrüder Weiss Wels.
ÜBER DAS ÖSTERREICHISCHE WELTRAUM FORUM
Das Österreichische Weltraum Forum (ÖWF) gehört im Bereich der Analogforschung weltweit zu den führenden Organisationen, die an der Vorbereitung astronautischer Erforschung anderer Planeten mitarbeiten. Das ÖWF ist seit August 2024 Österreichs erste ESA Ground Based Facility und betreibt ein Vertikal-Laufband zur Simulation unterschiedlicher Schwerkraft-Levels. Das ÖWF ist federführend an zwei internationalen Cube-Sat Missionen beteiligt, die von 2022 bis 2024 Weltraumschrott in der Erdumlaufbahn aufspürten. Expert*innen verschiedenster Disziplinen bilden innerhalb des ÖWFs die Basis für diese Arbeit. Gemeinsam mit nationalen und internationalen Forschungseinrichtungen, Industrie und Unternehmen unterschiedlicher Branchen wird hier Forschung auf höchstem Niveau betrieben. Dabei nutzt das ÖWF seine ausgezeichneten Kontakte zu Meinungsbildner*innen, Politik und Medien, um österreichische Spitzenforschung und Technologie international voranzutreiben und bekanntzumachen. Das Österreichische Weltraum Forum ist zudem einer der wichtigsten Bildungsträger in Österreich, wenn es um Raumfahrt und darum geht, junge Menschen für Wissenschaft und Technik zu begeistern sowie ihnen einen Zugang zu dieser Branche zu ermöglichen. Neben der Betreuung von universitären Arbeiten bietet das ÖWF auch immer wieder Studierenden und Schüler*innen die Möglichkeit, im Rahmen von Praktika ihr Wissen zu erweitern.
www.oewf.org
Die FH Oberösterreich wird zur UAP
Die FH Oberösterreich ist mit vier Standorten in Hagenberg, Linz, Steyr und Wels die forschungsstärkste Fachhochschule Österreichs. Mit mehr als 70 Bachelor- und Masterstudiengängen, davon über 30 berufsbegleitend organisiert, bietet sie ein breites Spektrum an praxisorientierten und innovativen Studienangeboten.
Ab Mitte Jänner 2027 tritt die FH Oberösterreich unter der neuen Marke UAP University of Applied Sciences Upper Austria auf. Die Umbenennung unterstreicht die internationale Ausrichtung der Hochschule, ihren starken Praxisbezug sowie ihre führende Rolle in der anwendungsorientierten Forschung. Gleichzeitig bleibt die Hochschule klar in Oberösterreich verankert.
https://fh-ooe.at/
Über Gebrüder Weiss
Die Gebrüder Weiss Holding AG mit Sitz in Lauterach (Österreich) ist ein weltweit agierender Full-Service-Logistiker mit rund 8.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und 180 firmeneigenen Standorten. Zuletzt erwirtschaftete das Unternehmen einen Jahresumsatz von 2,72 Milliarden Euro (2025). Zum Portfolio gehören Transport- und Logistiklösungen, digitale Services und Supply Chain Management. Die Kombination aus digitaler und physischer Kompetenz ermöglicht es dem Konzern, schnell und flexibel auf Kundenbedürfnisse zu reagieren. Mit einer Vielzahl an ökologischen, ökonomischen und sozialen Maßnahmen verfolgt das Familienunternehmen, dessen Geschichte im Transportwesen mehr als 500 Jahre zurückreicht, eine langfristig ausgerichtete Nachhaltigkeitsstrategie.
www.gw-world.com
Medienkontakt:
Mag. Monika Fischer
Media Officer
Austrian Space Forum
Tel: +43 699 1213 4610
monika.fischer@oewf.org
Dieser Artikel ist auch verfügbar auf: Englisch
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