2026
weltweit einzigartiges Training startet
Heute präsentierte das Österreichische Weltraum Forum (ÖWF) seine sechs neuen Analog-Astronaut*innen. Für die vier Frauen und zwei Männer beginnt nun eine weltweit einzigartige Ausbildung, die derzeit in dieser umfangreichen Form nur das Österreichische Weltraum Forum durchführt. Die neuen Analog-Astronaut*innen stammen aus Österreich, Deutschland, dem Vereinigten Königreich, Italien und den Niederlanden. Einige der neu ausgewählten Analog-Astronaut*innen werden bereits bei der nächsten Mars-Missions-Simulation 2027 in Portugal zum Einsatz kommen. Ihre Ausbildung beginnt jetzt.

Nathan Pili (UK+I), Claudia Gollner (Ö); credit: OeWF/Leon Krieger
Eine Expert*innen-Jury wählte die neuen Analog-Astronaut*innen in einem mehrstufigen Verfahren aus mehreren 100 Bewerber*innen aus. Im Juni hat ihre Grundausbildung begonnen. Bis September 2026 werden sie ihr Training abgeschlossen haben, dessen Kernstück die Steuerung der ÖWF-Raumanzugprototypen ist. Das Österreichische Weltraum Forum ist eine von weltweit fünf Organisationen, die derartige Anzüge entwickeln. Diese „Raumschiffe zum Anziehen“ simulieren die Arbeit in einem Raumanzug und werden eingesetzt, um Ausrüstung und Arbeitsabläufe auf ihre Marstauglichkeit zu prüfen.
Gernot Grömer, Direktor des ÖWF: „Das ÖWF hat sich auf die Vorbereitung zukünftiger astronautischer Expeditionen zu anderen Planeten spezialisiert. Unsere Analogforschung testet, erprobt und sucht nach Schwachpunkten, damit beim tatsächlichen Einsatz alles glatt geht. Wir wollen Fehler in Arbeitsabläufen und Geräten finden, damit diese nicht erst am Mars entdeckt werden und dort zu Problemen führen Die Ausrüstung soll dann passend zum Einsatzgebiet konzipiert, Prozeduren effizient geplant und die Menschen für ihre Aufgaben richtig trainiert sein. Dafür testen unsere Analog-Astronaut*innen regelmäßig Ausrüstung, die noch nicht zertifiziert wurde, die also nicht einmal die Astronautinnen und Astronauten auf der Internationalen Raumstation gesehen haben.“
Internationales Analog-Astronaut*innen-Team
Das bestehende Analog-Astronaut*innen-Corps des ÖWF umfasst 2 Frauen und 11 Männer und wird nun um weitere sechs Personen ergänzt: Experimental-Physikerin Claudia Gollner aus Österreich, Medizinerin Renana Bruckstein aus Deutschland, Teilchenbeschleuniger-Physikerin Olivia Drayson und Palaeomimikri-Physiker Nathan Pili aus dem Vereinigten Königreich, Quanten-Physiker Arfor Houwman aus den Niederlanden und Raumfahrtingenieurin Ludovica Valentini aus Italien.
Claudia Gollner, österreichische Analog-Astronautin: „Ich bin Experimentalphysikerin und arbeite mit Lasern, um Materialeigenschaften zu erforschen. Die Mitarbeit beim ÖWF gehört zu einer der spannendsten Herausforderungen in meiner Karriere. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus aller Welt, um die Weltraumforschung voranzutreiben und die Grenzen unseres Wissens zu erweitern.“
Renana Bruckstein, deutsche Analog-Astronautin: „Ich bin Ärztin, Kampfsporttrainerin und Stuntfrau. Mich fasziniert, wie Menschen sich an die Herausforderungen außergewöhnlicher Umgebungen anpassen. So habe ich u.a. den Atlantik auf einem kleinen Segelboot überquert. Heute forsche ich im Bereich Weltraummedizin, da mich die Auswirkungen extremer Umgebungen auf den menschlichen Körper interessieren – und der Weltraum ist sicher eine der extremsten. Die Teilnahme an einer Mars-Analog-Mission des ÖWF war daher für mich der nächste logische Schritt.“
Ein Teil der neu ausgewählten Analog-Astronaut*innen wird gemeinsam mit einigen Kolleg*innen aus dem bestehend Corps bereits 2027 bei der nächsten Mars-Missions-Simulation in der Nähe von Monsaraz, Portugal zum Einsatz kommen. Dort wurde ein Observatorium in Zusammenarbeit mit dem ÖWF um ein „Mars-Habitat“ ergänzt. Diese Infrastruktur kam bereits bei der World’s Biggest Analog Mission sowie bei zwei ÖWF-geführten Schulprojekten zum Einsatz, die von der EU gefördert wurden.
Über die ÖWF-Analog-Astronaut*innen
Kernstück einer ÖWF-Mars-Missions-Simulation, also der Trockenübung für zukünftige Flüge von Menschen zum Roten Planeten, sind die Analog-Astronaut*innen des Österreichischen Weltraum Forums. Sie bringen bereits eine große Bandbreite an Qualifikationen – wie einen universitären Abschluss in Medizin, Ingenieurswesen oder Naturwissenschaften – mit, sprechen mehrere Sprachen und sind körperlich überdurchschnittlich fit. Ihre Grundausbildung beim ÖWF deckt neben der Steuerung des ÖWF-Raumanzug-Prototypen auch Geologie, Planetologie, Astrobiologie, Medientraining, Stressmanagement, Notfallmedizin, Überlebenstraining und ein ausgedehntes Fitnessprogramm ab.
Die Analog-Astronaut*innen werden bei technischen Tests und Mars-Missions-Simulationen eingesetzt. Dafür durchlaufen sie zusätzlich zur Grundausbildung spezielle Trainings, um bei den Missionen die Experimente der internationalen Forschungspartner*innen selbständig durchführen zu können. Bei ihren Einsätzen außerhalb des „Mars-Habitats“ tragen die Analog-Astronaut*innen den ÖWF-Marsanzug-Prototypen. Dieser ist wie ein „Raumschiff zum Anziehen“ und kann alle wesentlichen Einschränkungen eines realen Mars-Raumanzugs wiedergeben, wie etwa Gewicht, Druck-Gegenkräfte oder eingeschränkte Wahrnehmungsfähigkeit. Ein ausgeklügeltes Mensch-Maschine-Interface, ein System von Sensoren und selbst entwickelter Software lassen den Anzug zu einem virtuellen Assistenten der Astronautin, des Astronauten werden. Der 50kg schwere Prototyp wurde entwickelt, um auch die Zusammenarbeit mit anderen (robotischen) Komponenten, wie etwa einem Rover, zu optimieren und gleichzeitig das Risiko einer biologischen Kontamination des untersuchten Planeten zu minimieren.
Die neuen ÖWF-Analog-Astronaut*innen
Claudia GOLLNER / Österreich
Geboren im Jahr 1988 in Österreich, erwarb Claudia Gollner ihren Master of Science in Physik an der JKU Linz, einen Master of Research in Controlled Quantum Dynamics am Imperial College London und promovierte in Ingenieurwissenschaften an der TU Wien, wo ihre Dissertation mit dem Österreichischen Exzellenzpreis ausgezeichnet wurde. Als Stipendiatin des Schrödinger-Stipendiums forschte sie an der Stanford University und am Stanford Linear Accelerator (SLAC) in Kalifornien zur ultraschnellen Ladungsträgerdynamik in atomar dünnen Materialien. Nach ihrer Rückkehr nach Wien und dank der Förderung durch den Couillaud-Preis für Ultrakurzpulslaser der Optica Foundation arbeitet sie derzeit als Senior Postdoctoral Researcher an der TU Wien und entwickelt THz-basierte Methoden zur Licht-Materie-Kontrolle in optoelektronischen Bauelementen der nächsten Generation. Sie spricht fließend Deutsch und Englisch, verfügt über Grundkenntnisse in Französisch und verbringt ihre Freizeit mit Mountainbiken, Bergsteigen und Klettern.
Arfor HOUWMAN / Niederlande
Arfor Houwman (geb. 1996, UK) wuchs in den Niederlanden auf und erwarb einen Bachelor of Arts in Geistes- und Naturwissenschaften am University College Utrecht, gefolgt von einem Master of Science in Theoretischer Physik in Paris, Frankreich. Anschließend zog er nach Innsbruck, Österreich, wo er z.Z. in experimenteller Quantenphysik mit Schwerpunkt auf ultrakalten Atomen promoviert. Im Rahmen seiner Promotion hat er mehrere Fachartikel veröffentlicht und engagiert sich aktiv in der Wissenschaftskommunikation. Er besitzt Lizenzen für Segelfliegen, Paragleiten und Gerätetauchen und spricht Niederländisch, Deutsch, Englisch und Spanisch sowie Französisch.
Renana BRUCKSTEIN / Deutschland
Renana Bruckstein wurde im Jahr 1989 in Jerusalem, Israel geboren und schloss ihr Bachelorstudium der Meereswissenschaften mit Auszeichnung ab, bevor sie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin Medizin studierte. Dort forscht sie heute auch im Bereich der Weltraumphysiologie. Derzeit ist sie als Ärztin tätig. Neben Medizin und Naturwissenschaften verfügt Renana über umfangreiche Erfahrung im Hochleistungssport. Sie absolvierte ihren Wehrdienst als Kampfausbilderin und arbeitete später als Stuntfrau und Stunttrainerin. Sie besitzt den schwarzen Gürtel in Kickboxen und Jiu-Jitsu und war Mitglied der deutschen MMA-Nationalmannschaft. Außerdem ist sie zertifizierte PADI Divemasterin und hat bereits in der Karibik und auf dem Atlantik gesegelt. Renana spricht fließend Deutsch, Hebräisch und Englisch und verfügt über gute Spanisch- und Französischkenntnisse.
Nathan PILI / UK und Italien
Der im Jahr 2000 geborene Nathan Pili ist britisch-italienischer Staatsbürger. Nach seinem Physikstudium an der Universität Manchester schlug er einen ungewöhnlichen Weg ein und promovierte in Luft- und Raumfahrt-Paläomimikry. Er untersucht Fossilien auf evolutionäre Anpassungen, die zur Entwicklung besserer technischer Strukturen beitragen könnten – 400 Millionen Jahre sind schließlich genug Zeit, um jedes Problem zu lösen. In der bemannten Raumfahrt arbeitete Nathan für die ESA an der Abschirmung von Mondstrahlung, war Kommunikationsoffizier beim Analogforschungs-Projekt Asclepios V und wirkte am größten Analogprojekt der Welt, dem „World’s Biggest Analog“ im Eurohab, Frankreich mit. Seine größte Leidenschaft in der Freizeit ist das Geschichtenerzählen. Er geht wöchentlich ins Kino, spielt Pen-&-Paper-Rollenspiele und diverse Brettspiele. Er spricht fließend Englisch und Italienisch und verfügt über Grundkenntnisse in Französisch und Deutsch.
Olivia DRAYSON / UK
Ursprünglich aus London stammend, besitzt Olivia Drayson einen Bachelor-Abschluss in Physik vom Balliol College der Universität Oxford und einen Master-Abschluss in Luft- und Raumfahrttechnik vom ISAE-Supaero in Toulouse, Frankreich. In ihrer Masterarbeit leitete sie ein Studententeam bei der Entwicklung eines Experiments für die ISS, das die Auswirkungen der Mikrogravitation auf den Blutfluss mithilfe künstlicher Arterien untersuchte. Sie promovierte in Umwelttoxikologie an der University of California, Irvine, wo sie die biologischen Auswirkungen ionisierender Strahlung auf das Gehirn erforschte, insbesondere die Minderung von Schäden an gesundem Gewebe bei Strahlentherapie. Derzeit arbeitet sie als Postdoktorandin am GSI Zentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt. Ihre Forschung befasst sich mit den Auswirkungen der Weltraumstrahlung auf das Gehirn mithilfe des Simulators für galaktische kosmische Strahlung am GSI. Sie war wissenschaftliche Offizierin der Crew für die analoge Weltraummission 2023 zum FMARS in Nordkanada und ist Mitglied des Komitees von CHASM (Community of Human Analogue Space Missions).
Ludovica VALENTINI / Italien und Schweden
Geboren im Jahr 1995 in Italien, schloss Ludovica Valentini ihr Bachelorstudium der Luft- und Raumfahrttechnik an der Universität Bologna, Italien, und ihr Masterstudium der Luft- und Raumfahrttechnik mit Schwerpunkt Raumfahrt an der KTH Royal Institute of Technology in Schweden ab, wo sie auch als studentische Hilfskraft für den Kurs „Grundlagen der Raumfahrt“ tätig war. Sie begann ihre berufliche Laufbahn als Antriebsingenieurin bei OHB Schweden, wo sie derzeit als Managerin für Fertigung, Montage, Integration und Test arbeitet und zu verschiedenen wissenschaftlichen, erdbeobachtungsbezogenen und kommerziellen Raumfahrtmissionen beiträgt, darunter die ESA-Programme Euclid, Ariel und Orion ESM. Sie spricht fließend Italienisch und Englisch und verfügt über gute Kenntnisse in Schwedisch und Spanisch. In ihrer Freizeit treibt sie gerne Sport, geht Bergsteigen und reist.
Über das Österreichische Weltraum Forum
Das Österreichische Weltraum Forum (ÖWF) gehört im Bereich der Analogforschung weltweit zu den führenden Organisationen, die an der Vorbereitung astronautischer Erforschung anderer Planeten mitarbeiten. Das ÖWF ist federführend an zwei internationalen Cube-Sat Missionen beteiligt, die seit 2022 Weltraumschrott in der Erdumlaufbahn aufspüren. Expert*innen verschiedenster Disziplinen bilden innerhalb des ÖWFs die Basis für diese Arbeit. Gemeinsam mit nationalen und internationalen Forschungseinrichtungen, Industrie und Unternehmen unterschiedlicher Branchen wird hier Forschung auf höchstem Niveau betrieben. Dabei nutzt das ÖWF seine ausgezeichneten Kontakte zu Meinungsbildner*innen, Politik und Medien, um österreichische Spitzenforschung und Technologie international voranzutreiben und bekanntzumachen. Das Österreichische Weltraum Forum ist zudem einer der wichtigsten Bildungsträger in Österreich, wenn es um Raumfahrt und darum geht, junge Menschen für Wissenschaft und Technik zu begeistern sowie ihnen einen Zugang zu dieser Branche zu ermöglichen. Neben der Betreuung von universitären Arbeiten bietet das ÖWF auch immer wieder Studierenden und Schüler*innen die Möglichkeit, im Rahmen von Praktika ihr Wissen zu erweitern.
Medienkontakt:
Mag. Monika Fischer
ÖWF Media Team Lead
Tel: +43 699 1213 4610
Dieser Artikel ist auch verfügbar auf: Englisch
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